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Ruhrkohlen Bergbau

Der Kohlebergbau ist kein Wirtschaftszweig wie jeder andere, das Ruhrgebiet ist ein Industrierevier unter vielen.

Der Bergbau und die Menschen an der Ruhr stand nach 1945 für viele Jahre in dem Brennpunkt der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auseinandersetzungen in Westdeutschland und weit darüber hinaus. Der Ruhrkohlenbergbau nahm daher für die sozialökonomische und politische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland in vieler Hinsicht eine Schlüsselrolle ein.

Es war aber eine Schlüsselrolle besonderer Art. Sein Weg in der Nachkriegszeit lässt sich weder verallgemeinern noch gar für die übrige Wirtschaft als typisch ansehen. Vielmehr ist es gerade das jeweils Unverwechselbare und Besondere an seiner Entwicklung im Rahmen des westdeutschen Wirtschaftsgeschehens, das ihn wiederholt zum Feld wichtiger Entscheidungen werden liess, die weit über den Bergbau hinaus Bedeutung erlangten. In diesem Sinne fördert die Analyse von Wiederaufbau, Krise und Anpassung des Kohlenbergbaus an der Ruhr mehr zutage als die Geschichte eines Wirtschaftszweiges.

In den durch Raubbau heruntergekommenen Gruben entschied sich nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches der kometenhafte Aufstieg der Bundesrepublik. Nicht nur Westdeutschland - ganz Europa war auf unsere Kohle von der Ruhr angewiesen. Die Bergwerke zählten in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu den wenigen Trümpfen, die Deutschland im Kampf um einen angemessenen Platz unter den westeuropäischen Nationen besass. Auch wenn die Verfügungsgewalt über den Ruhrbergbau in den Händen der Besatzungsmächte lag, so konnten sie einen spürbaren Anstieg der Förderung in der Praxis nur durchsetzen, wenn sie den Deutschen erhebliche materielle und politische Zugeständnisse machten.

Der unter dem Regiment der 1000 Kalorien ebenso verständliche wie gefürchtete ,,Berufsegoismus“ der Bergleute führte in dieser Hinsicht auch bald für den Normalverbraucher zu erträglicheren Lebensbedingungen. Doch so sehr diese produktivitäts- und stabilitätsorientierte Motivlage der Alliierten die Lebensbedingungen und Handlungsspielräume der Deutschen verbesserte: ihrer politischen Gestaltungsfreiheit zog sie gleichzeitig auch Grenzen.

Auch Westdeutschlands Weg nach Europa führte über das Ruhrgebiet. In den sich wandelnden Formen alliierter Kontrolle über die Ruhr spiegelt sich die schrittweise Integration der westdeutschen Wirtschaft in den westeuropäischen Rahmen. Noch bei der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion im Jahr 1951) stand die Absicht der westlichen Nachbarn - und insbesondere Frankreichs - im Vordergrund, sich freien Zugang zu den Ressourcen des Ruhrgebiets zu sichern, den Bezug von Kokskohle für die eigene, expandierende Stahlindustrie zu günstigen Konditionen zu gewährleisten und nicht zuletzt Kontrolle über das deutsche Rüstungspotential auszuüben. Erst als am Ende der fünfziger Jahre die Bedeutung der Kohle für die Europäische Gemeinschaft zurücktrat, verloren die - bei formaler Gleichberechtigung - diskriminierenden Grundlagen des europäischen Integrationsprozesses für West-deutschland an Gewicht.

Anders als Grossbritannien über sein Nordseeöl oder die Niederlande über ihre Erdgasvorkommen, besitzt die Bundesrepublik Deutschland allerdings keine nationale Verfügungsgewalt über die Ruhrkohle, sondern akzeptiert die im Vertrag über die Montanunion festgelegte völkerrechtliche Verpflichtung, deutsche Kohle im Krisenfall für die Energieversorgung aller Partnerstaaten gleichermassen zur Verfügung zu stellen.

Auf den Bergleuten an der Ruhr lag in den ersten Nachkriegsjahren die Hauptlast des Wiederaufbaus. Zunächst zog die Besatzungspolitik daraus keine Konsequenzen. Härte und Gefahr der bergmännischen Arbeit - unter den Bedingungen der Nachkriegszeit greifbarer denn je - wurden weder durch politische Zugeständnisse in der Eigentums- noch durch Privilegien in der Magenfrage honoriert. Erst zwei Jahre nach Kriegsende löste die Militärregierung das Problem auf ihre Weise: Speck statt Sozialisierung. Zehn Jahre lang hielten die Bergleute die Spitze zunächst der Kalorien, dann der Lohnhierarchie unter den westdeutschen Industriearbeitern.

Ca: 600.000 Menschen arbeiteten in 141 Steinkohlenzechen

Ein Rückblick auf das Jahr 1957 zeigt, welch' gigantische Industrie in den Sechzigern vor dem Niedergang stand. Damals arbeiteten rund 400 000 Kumpel unter Tage, 170 000 Menschen in den Verwaltungen über Tage, hinzu kamen Angestellte – 50 000 an der Zahl.

Hibernia, Shamrock, Theodor Heinrich – stolze Namen von Bergwerken, in denen über 600 000 Menschen ihrer harten Arbeit nachgingen. 141 Steinkohlenzechen zählte das Revier damals, 132 Millionen Tonnen Jahresförderung holten die Kumpel in der Hitze unter Tage aus dem Berg. Der - entscheidende - Unterschied zur Bergbaukrise der 60er Jahre liegt aber in der Verfassung des Ruhrbergbaus selbst. Es gab nicht mehr jene zuletzt 29 Zechen Gesellschaften, mit 141 Schächten der sechziger Jahre, die sich schwertaten, ein gemeinsames Krisenmanagement zu finden.

Das Entwicklungsprogramm Ruhr von 1968 und das daraus entwickelte Nordrhein Westfalen Programm 1975 waren die ersten Schritte weg von einem reaktiven Krisenmanagement, hin zu einer bewussten und gezielten Gestaltung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung:
Wie immer man auch ihren Erfolg im einzelnen einschätzen mag, sie schufen die Voraussetzung dafür, dass das Ruhrgebiet seine Chancen zum strukturellen Wandel besser wahrnehmen kann, als man in den 50er und 60er Jahren befürchten musste.

Die Einheitsgesellschaft Ruhrkohle AG bietet seitdem bessere betriebswirtschaftliche Voraussetzungen, um schnell und wirksam auf Nachfrageschwankungen zu reagieren. Darüber hinaus hat ein langwieriger Prozess der Sanierung des Ruhrbergbaus, der 1968 nach zehnjähriger Krise, die politische Landschaft nachhaltig veränderte. Mit der Konzertierten Aktion Kohle ist eine Methode des Interessen - Ausgleichs wirksam geworden, die weit über jenes Datum hinaus und nicht nur im Kohlenbergbau Anwendung gefunden hat.

Die Kohlenkrise

Was im Februar des Jahres 1958 mit den ersten Feierschichten für 16 000 Bergleute begann, war für alle im Ruhrgebiet völlig unerwartet gekommen. Gerade noch hatte im Jahr zuvor die Hohe Behörde der Montanunion vom Ruhrbergbau gefordert, die Förderkapazität in den nächsten Jahren um mehr als 40 Mio. t zu erhöhen, noch steckte der Bergbau in einer neuen Expansionsphase, in der 50 neue Tagesschächte abgeteuft worden waren, gerade noch waren Arbeits- und Einkommensbedingungen der Beschäftigten im Bergbau verbessert worden und hatten die Bergleute dorthin gebracht, wohin sie zu gehören glaubten, nämlich an die Spitze der Einkommensskala, da brach die Krise mit einer Geschwindigkeit und Heftigkeit aus, auf die niemand vorbereitet war.

In den 50er Jahren wanderten fast eine Million Menschen ein; man musste Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben, da selbst durch den Zustrom von Flüchtlingen das heimische Arbeitskräftepotential nicht ausreichte.

Zunächst also zahlte es sich aus, dass man an der überkommenen Wirtschaftsstruktur festhielt, dass man sie nach 1945 in fast der gleichen Weise wieder aufbaute, wie sie vor 1939 bestanden hatte. Was immer man im Rückblick auch davon halten mag, die Zeitgenossen empfanden die vorrangige Konzentration von Wirtschaft und Wirtschaftspolitik auf die Montanindustrie als einen grossen Vorzug.

Schliesslich hatten die wirtschaftlichen Chancen für das Ruhrgebiet in den Jahren nach dem Kriegsende zunächst nicht so schlecht ausgesehen. Das Wirtschaftswunder war im Ruhrgebiet praktisch sofort fühlbar geworden: Höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen, starke Gewerkschaften und ein rascher Wiederaufbau der zerstörten Städte, die nun viel von ihrer alten Enge und Düsternis des 19. Jh. verloren.

Ganz Westeuropa brauchte die Kohle aus dem Ruhrgebiet, und ganz Westeuropa sollte auch an ihr teilhaben können; die ersten Schritte zur wirtschaftlichen Einigung Europas sind 1952 in der Montanunion gegangen worden, durch die das „Ruhrstatut“, mit dem die Alliierten seit 1948 die Produktion und Verteilung von Kohle und Koks streng kontrollierten, durch eine gleichberechtigte internationale Vertragslösung ersetzt wurde. Und entsprechend hoch waren die Wachstumsraten ausgefallen: Zwischen 1950 und 1958 war die Kohleförderung um fast ein Fünftel gesteigert worden und hatte 1956 mit 132 Mio. t ihren Höchststand erreicht.

Aber auch die Stahlindustrie sollte nach 1950 ihren Teil vom Wachstumskuchen abbekommen: Nicht nur, dass für den Wiederaufbau von Industrie, Verkehr und Wohnungen der Stahl aus dem Ruhrgebiet gebraucht wurde, nicht nur, das sich ein steigender privater Konsum in einem steigenden Verbrauch von Stahl ausdrückte, auch der Korea - Boom hatte seinen Teil zur guten Konjunktur im Ruhrgebiet beigetragen. Manche Kommentatoren waren sogar der Meinung, dass der Kalte Krieg die entscheidende Voraussetzung für den Wiederaufstieg der westdeutschen und insbesondere der Ruhrwirtschaft gewesen war. Der sich verschärfende Ost-West-Konflikt führte tatsächlich zu einer stärkeren Einbindung der Bundesrepublik in das westliche Bündnis, denn schliesslich brauchte man vor allem die Wirtschaftskraft des Ruhrgebiets, auch wenn die Stahlindustrie im Ruhrgebiet keine Rüstungsgüter herstellen durfte.

Die steigenden Haldenbestände an Kohle, die es bis 1957 praktisch nicht gegeben hatte und die im Durchschnitt der 50er Jahre weniger als 1% der Jahresförderung betragen hatten, wuchsen im ersten Halbjahr 1958 um das Siebenfache. Im April mussten sogar 13% der Monatsförderung auf Halde gelegt werden. Am Ende des Jahres 1958, als nicht einmal mehr Feierschichten ausreichten, um die Absatzlage einigermassen unter Kontrolle zu halten, kam es sogar zu den ersten Entlassungen.

Was bis Mitte der 60er Jahre folgte, traf die wirtschaftliche Struktur des Ruhrgebiets härter als die Demontage. Zwischen 1958 und 1964 wurden 35 Zechen mit einer Jahresproduktion von 11,6 Mio. t und 53 000 Arbeitsplätzen stillgelegt: 1966 arbeiteten nur noch halb so viele Beschäftigte im Ruhrbergbau wie 1950. In den meisten Städten an der Ruhr fand zwischen 1957 und 1961 wirtschaftliches Wachstum nicht mehr statt, und man musste froh sein, wenigstens den erreichten Stand zu halten - manche Ruhrgebietsstädte wie Bochum, Herne, Wattenscheid oder Duisburg fanden sich, gemessen an ihrer Wirtschaftskraft, in der Nachbarschaft unterentwickelter ländlicher Räume wieder. Für das Ruhrgebiet, seine Wirtschaft und Politik, waren diese Vorgänge unvorstellbar und unerhört, man konnte sich einfach nicht vorstellen, dass die Blüte der Kohle vorbei sein sollte und vielleicht nur mit der wirtschaftlichen Ausnahmesituation des Wiederaufbaus zu erklären war. Man war nicht bereit, die Krise als den Auftakt für langfristige und langwierige Strukturprobleme im Revier zu verstehen.

Aber es fehlte auch nicht an warnenden Stimmen: Bereits Anfang der 50er Jahre lagen die Wachstumsraten der Ruhr-wirtschaft im Vergleich zwischen den Bundesländern unter dem Durchschnitt. Man benötigte zum Wirtschaftswunder zwar Kohle und Stahl, aber die eigentliche wirtschaftliche Dynamik vollzog sich an anderen Orten in der Bundesrepublik, etwa in Süddeutschland, wo man die Gunst der Stunde nutzte und sich eine moderne, auf neuen Wirtschaftszweigen - wie der Automobilindustrie oder der Elektrotechnik - aufbauende Struktur schuf. Die Verschiebungen in der Energieversorgung - hin zur Importkohle und zum billigen Erdöl - waren schliesslich weniger die Ursache als vielmehr der Auslöser der Kohlenkrise im Ruhrgebiet.

Die Reaktion von Wirtschaft und Politik im Ruhrgebiet auf die Kohlenkrise und ihre Folgen war zunächst und über lange Zeit defensiv, man versuchte mit allen Mitteln, das Überleben der alten Strukturen zu sichern. Die Unternehmen sprachen von verfälschten Wettbewerbs Bedingungen und forderten eine Rücknahme der überhöhten Soziallasten. Man wollte sich nicht den neuen Marktbedingungen anpassen, sondern forderte von der Politik nichts weniger als die Rückkehr zu den guten, alten Zeiten, als man die Kohle nicht mühsam verkaufen musste, sondern sie fast nach Belieben den Kunden zuteilen konnte. Man wollte die Sicherung der Märkte durch Verträge mit der heimischen Elektrizitätswirtschaft und die Einschränkung der Öl- und Kohleimporte durch Zölle und Quoten. Ansonsten hoffte man auf kalte Winter, die den Kohle verbrauch wieder in die Höhe treiben sollten.

Mit einer Strategie des Abwartens und der Beharrung jedoch war die öffentliche Meinung Mitte der 60er Jahre nicht mehr Zufriedenzustellen: Der Protest gegen das Zechensterben erfasste 1966 die ganze Region, es kam zu Demonstrationen und zur Entsendung von Delegationen nach Düsseldorf und Bonn.

Es war nicht zuletzt die Krise an der Ruhr, die 1966 zu Bildung der Großen Koalition - in Bonn und zum Sturz der CDU- geführten Regierung in Düsseldorf führte, weil die Politik der Hoffnung auf die Marktkräfte offensichtlich im Ruhrgebiet erfolglos war. Die neuen Regierungen im Bund und im Land Nordrhein-Westfalen hatten eine ganze Menge an Arbeit im Ruhrgebiet vor sich: Nicht nur, das die Kohlenkrise und die sozialen Folgen gelöst werden mussten, die Auswirkungen der Monostruktur gingen weit über den wirtschaftlichen Bereich hinaus.  

Am Anfang der 60er Jahre gab es im Ruhrgebiet immer noch keine Universität, von der aus innovatorische Impulse auf die Wirtschaftsstruktur und eine bildungspolitische Begleitung des Strukturwandels hätten ausgehen können. Erst 1965 nahm die Ruhr - Universität in Bochum ihren Betrieb auf, vier weitere Universitäten und Gesamthochschulen sollten in den 70er Jahren folgen.

Aber es ging nicht allein um die Hochschulen, überhaupt war das Qualifikationsniveau der Beschäftigten ein Engpass Faktor für die wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung.

Vor allem der Bergbau musste sich Versäumnisse in der Vergangenheit vorhalten lassen: Ein relativ hoher Anteil seiner Beschäftigten hatte die Volksschule nicht mit dem achten Schuljahr abgeschlossen und verfügte auch nicht über eine abgeschlossene Lehre - und das zu einem Zeitpunkt, da die hohe Qualifikation der Beschäftigten, das Humankapital, zu einer wichtigen Quelle für wirtschaftliches Wachstum geworden war.

Die Liste der Probleme, die einer politischen Lösung harrten, war allerdings noch länger: Es fehlte im Ruhrgebiet an einem System für den öffentlichen Nahverkehr, es galt, die jahrzehntelangen Versäumnisse im Freizeitbereich aufzuarbeiten, es ging um dringende Massnahmen der Landschaftspflege und des Umweltschutzes, denn allmählich drangen die Probleme und Gefährdungen der natürlichen Umwelt in das öffentliche Bewusstsein - schon am Ende der 60er Jahre wurde in einer Umfrage immerhin die Verschmutzung der Umwelt ebenso häufig als wichtigstes Problem in der Entwicklung des Ruhrgebiets genannt wie die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Die Strukturprobleme des Ruhrgebiets waren mit rein marktwirtschaftlichen Massnahmen nicht mehr zu lösen, sie hatten am Ende der 60er Jahre eine Dimension angenommen, die ein massives Eingreifen des Staates erforderte. Und so, wie das Ruhrgebiet Vorreiter bei der Industrialisierung im 19. Jh. gewesen war, war es nun die erste Region, für die der Staat mit einem umfassenden Entwicklungsprogramm die wirtschaftliche Verantwortung für die Modernisierung übernahm.

Das Entwicklungsprogramm Ruhr von 1968 und das daraus entwickelte „Nordrhein Westfalen Programm 1975“, waren die ersten Schritte weg von einem reaktiven Krisenmanagement, hin zu einer bewussten und gezielten Gestaltung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung: Wie immer man auch ihren Erfolg im einzelnen einschätzen mag, sie schufen die Voraussetzung dafür, dass das Ruhrgebiet seine Chancen zum strukturellen Wandel besser wahrnehmen kann, als man in den 50er und 60er Jahren befürchten musste. Aber fast wichtiger noch als die politischen Programme und Massnahmen waren die Veränderungen, die sich allmählich im Bewusstsein der Menschen im Ruhrgebiet abspielten. Ganz langsam begann man, sich aus der Abhängigkeit von Kohle und Stahl zu lösen und nach neuen Wegen in der wirtschaftlichen Entwicklung zu suchen. Die neuen Universitäten, die neuen Kultureinrichtungen, die neuen Unternehmen trugen ihren Teil zu dieser Veränderung bei.

So wie das Jahr 1838 vielleicht die Geburt des Ruhrgebiets als Industrieregion markiert, war das Jahr 1958 nicht nur der Beginn einer Krise, sondern auch der Beginn einer Chance zur strukturellen Erneuerung für das Ruhrgebiet.

Der Bergbau seit der Ölkrise

In den siebziger Jahren schien sich die Lage der Kohlenwirtschaft zu stabilisieren. Besonders die dramatischen Ölpreissteigerungen von 1973/74 und 1979/80 vermittelten den Eindruck, dass der deutschen Kohle noch immer eine bedeutende Rolle in der zukünftigen Energiepolitik sicher sei. Neue Absatzschwerpunkte lösten den bedeutungslos gewordenen Wärmemarkt ab:

Der Hüttenvertrag, mit der Eisen- und Stahlindustrie von 1968 und der Jahrhundertvertrag mit der Elektrizitätswirtschaft und der Industriellen Kraftwirtschaft von 1980 sollte langfristig den Absatz sichern. Letzterer war bis 1995 befristet und sah vor, dass die Differenz zum Weltmarktpreis der Kohle durch den von den Verbrauchern erhobenen Kohlepfennig ausgeglichen werden sollte.

Dennoch wurde der deutsche Steinkohlenbergbau weiterhin von Krisen geschüttet. Besonders da Abhängigkeit von der deutschen Stahlindustrie, die in den 1980 er Jahren selbst in Bedrängnis gerät, wirkte sich negativ auf den Bergbau aus. Zusätzlich litt man, wie schon früher, unter den Rationalisierungen im Energieverbrauch. Nur durch Lohnverzicht seitens der Belegschaft konnte die RAG Entlassungen umgehen. Die RAG hat nie Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit entlassen müssen. Dank der Solidarität der Kumpel untereinander und hoher Finanzhilfen der öffentlichen Kassen.

In Erinnerung sind vor allem die massiven Proteste der Bergleute in den 1980er und 1990er Jahre geblieben. Sie bewegten die Politik zu Kompromissen bei der Subventionierung des Bergbaus und bremsten den weiteren Abbau von Förderkapazitäten.

In all den Jahren, stand vor allem der Kohlepfennig in der öffentlichen Diskussion, da die Verbraucher für immer stärker steigende Abgaben kein Verständnis mehr aufbrachten, wurde 1994 der Kohlepfennig dann vom Bundes-verfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt und die Verstromung Zuschüsse wurden nun aus dem Bundeshaushalt finanziert.

Mit dem Auslaufen des Jahrhundertvertrags 1995 mussten neue Lösungen für den Bergbau gefunden werden. Im März 1997 kam es zur Kohlenpolitischen Einigung, die die Stilllegung von vier Schachtanlagen bis zum Jahr 2000 und drei bis vier Schachtanlagen bis 2005 festlegte.

Für die Steinkohle kam es knüppeldick.

Da ist der rapide Stellenabbau.

1996 hatte der Bergbau noch 85 000 Beschäftigte.

Seit 1969 wären damit fast 150.000 Stellen im Bergbau abgebaut worden.

Solche Ziele ohne betriebsbedingte Kündigungen zu erfüllen, soziale Kahlschläge zu vermeiden, ist allein schon eine Riesenaufgabe. Bisher gelang es unter vielen Mühen. Inzwischen ist allerdings klar: Das hohe Tempo beim Stellenabbau - allein im Jahr 2000 fielen 11 000 Arbeitsplätze weg – brachten neue, mit unerwarteten Probleme.

1997 wurde bei Aachen die Zeche Sophia - Jacoba geschlossen. Durch einen Zusammenschluss entstanden 1998 die Verbundbergwerke Lippe und Ost. Im Jahr 2000 waren es drei Stilllegungen. Die Zeche Ewald / Hugo in Gelsenkirchen machte den Anfang, Westfalen in Aalen und Göttelborn in Reden (Saarland )

Im Jahr 2001 sind die Bergwerke General Blumenthal und Niederberg stillgelegt worden. Die Zahl der Beschäftigten sank auf 30 000 ?

Ob damit die Zukunft der deutschen Zechen, die bergbautechnisch führend in der Welt sind, gesichert bleibt, werden erst die kommenden Jahre zeigen?

Zusammenfassung:
Im Jahr 1960 waren bundesweit noch 490 200 Menschen im Steinkohlebergbau beschäftigt. Schon 15 Jahre später waren es mit 202 300 Beschäftigten nicht einmal mehr halb so viele.

1997 beschloss die Bundesregierung im Kohlenkompromiss, dass langfristig ein lebensfähiger Steinkohlebergbau erhalten werden soll. An dem Kompromiss waren die Bergbauunternehmen, die damalige IG Bergbau und Energie und die Länder Nordrhein - Westfalen und Saarland beteiligt. Damals waren noch rund 80 000 Bergleute beschäftigt.     

Ende 1999 lag die Zahl der Beschäftigten bei rund 66000.

Laut Kohlenkompromiss ist die Zahl bis 2005 auf 36 000 gesunken und auf Betriebsbedingte Kündigungen verzichtet worden. Bei diesem kohlenpolitischen Gleitflug wurden und werden Zechen geschlossen - seit 1957 insgesamt 111 Bergwerke.

Ausserdem wurden zahlreiche Zechen zusammengelegt, wobei nach Angaben der Deutschen Stein - Kohle AG durchschnittlich die Hälfte der Belegschaft eingespart wurde.

Seit 1998 sind sämtliche Aktivitäten des heimischen Steinkohlenbergbaus in der RAG Deutsche Steinkohle AG gebündelt.

Ende 2008 waren es noch 27 000 Mitarbeiter, in den Bergbaurevieren Ibbenbüren, Saarland und der Rhein - Ruhr - Region beschäftigt. Das Unternehmen hat sechs Bergwerke, und eine Kokerei.

Die Geschichte des Bergbaus soll im Jahr 2018 enden!!!

Der Sinkflug des Kohlebergbaus setzte sich fort, zunächst abgemildert durch den Hüttenvertrag, der der RAG den Kohle Absatz garantierte; ab 1975 durch den Kohlepfennig, den die Stromverbraucher zu bezahlen hatten; noch später durch eine direkte Subventionierung, die die Differenz zwischen der günstigeren Importkohle und den Förderkosten ausglich. 130 Milliarden Euro sind laut NRW-Wirtschaftsministerium bislang in die Subventionierung des Steinkohlebergbaus geflossen. 

Auch der Sinkflug ist einmalig: 1973 wurden noch 80 Millionen Tonnen gefördert, 1986 noch 62 Millionen Tonnen, 2008 sind es 22 Millionen. Der Steinkohlebergbau heisst wieder RAG, gehört zusammen mit der ihr ehemals verbundenen Evonik einer Stiftung, die ihn bis 2018 abwickeln soll. Der Verkauf von Evonik soll der Stiftung das Geld einbringen, um davon die Ewigkeitskosten des Bergbaus zu finanzieren.

Eine Jahrhunderte alte Geschichte findet dann ihr Ende?

 

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