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Die HĂŒttenzeche

Wie die Schachtanlage Westende (Kampschacht) entstand)

Der Phönix strebte danach, hinsichtlich fĂŒr seine HĂŒttenkokerei erforderlichen Fettkohlen Bedarfs unabhĂ€ngig zu werden. Dazu musste er die Förderung auf der Zeche Westende erheblich steigern und die Tagesanlagen ausbauen. Die Schachtanlage erhielt eine Kokerei, und mit der Ausrichtung der 5. Sohle wurde begonnen. Die Hauptförderung, die bis dahin auf Schacht 1 lag, ging nunmehr an Schacht 2 ĂŒber, der wegen seines grösseren Durchmessers zu diesem Zwecke besser geeignet war. Ausserdem wurde der bis dahin noch hölzerne Förderturm des Schachtes 2 durch einen eisernen ersetzt. Die Förderung stieg stetig - bis sie im Jahre 1912 - 900 000 t erreichte.

Der Abbau ging in Richtung Laar ins Feld. Die Reviere lagen der HĂŒtte bedeutend nĂ€her als den FörderschĂ€chten in Meiderich. Das bedeutete bei dem Anwachsen der Transportwege mit der Grube stĂ€ndig wachsende Kosten. Ausserdem musste nach der Förderung und Aufbereitung die Kohle in Bahnwagen verladen, zum HĂŒttenwerk verfrachtet und dort wieder abgeladen werden. Das verursachte bei dem grossen Bedarf des HĂŒttenwerkes ganz bedeutende Kosten, die fast fort fielen, wenn hier direkt bei den Hochöfen, auf eigenem WerksgelĂ€nde ein Schacht abgeteuft wurde. Die Förderwege in der Grube wĂŒrden sich dann durch den auf den Schacht zuwandernden Abbau stetig verkĂŒrzen, der ĂŒbertĂ€gige Bahntransport könnte ganz eingespart werden und, was fĂŒr ,,den Phönix“ noch weiter von grosser Bedeutung war, die tĂ€glich anfallenden 1500 t Hochofen Schlackensand liessen sich unmittelbar an Ort und Stelle in die Grube spĂŒlen. Bis dahin war der Abbau fast durchweg ohne Versetzen der entstandenen HohlrĂ€ume gefĂŒhrt worden.

Vor Beginn der Abteufarbeiten musste man zwei HĂ€user, die dem Vorhaben im Wege standen, auf Rollen setzen und auf die andere Seite der Laarer Straße hinĂŒberziehen. Zu der damaligen Zeit hat dieses Experiment grosses Aufsehen erregt.

Westende 36
westende 53 Ansatzpunkt

Mit dem Abteufen des Schachtes 4, der nach dem damaligen Generaldirektor Kamp der Phönix den Namen Kampschacht erhielt, wurde am 26. MĂ€rz 1906 begonnen. Auch er sollte als Senkschacht niedergebracht werden. Bei den Abteufarbeiten musste der Senkkörper bis zu einer Teufe von 20 m bereits viermal lotrecht ausgerichtet werden. Dann waren die WasserzuflĂŒsse zu stark, und der Schacht musste gestundet werden. Vor der WeiterfĂŒhrung der Abteufarbeiten wurde durch die Firma Haniel und Lueg das neu entwickelte Gefrierverfahren angewandt. Im August 1907 konnte nach der Fertigstellung des Frostzylinders das Abteufen von Hand fortgesetzt werden. Der hölzerne Abteufturm und der Schuppen der Gefrieranlage gerieten im Januar 1908 in Brand. 10 kg gefrorenen Dynamits war im SchachtgebĂ€ude beim Auftauen explodiert. Eine Unterbrechung des Betriebes trat jedoch nicht ein. Am 1. April 1909 wurde die Förderung aufgenommen, die bereits 1911 bei 1500 t pro Tag lag.

Wagenumlauf

     Laarer Straße im Jahre 1932 hinten lks.sieht man die Pforte der Kokerei Westende

Laarer Straße
Laaerstraße2003
Westende 47
Pforte 1

,,Wallonen -Kolonie“ im Ortsteil MĂŒhlenfeld

Hochhofen Mauer

Ein Kennzeichen des Tagesbetriebes Westende ist die fast 10 m hohe Betonmauer des ZechengelÀndes, die zur Sicherung gegen die Hochwassergefahr des Rheins und der alten Emscher erfolgte.

Im Volksmund galt die Kampschachtanlage auch als ,,Port Arthur“ Einerseits wegen ihres festungsartigen Erscheinungsbildes - andererseits wegen der noch bei der Bevölkerung in lebhafter Erinnerung stehenden Ereignisses des russisch japanischen Kriege. FĂŒr den stĂ€ndig wachsenden Grubenbetrieb war die Wetterversorgung der Schachtanlage unzureichend. Durch Verbindung des Kampschachtes mit dem Schacht Ruhr und Rhein im Jahre 1910 wurden die Zechen Westende 1/2 und 3/4 mit der WetterfĂŒhrung voneinander unabhĂ€ngig. Die gĂŒnstige Entwicklung der beiden Schachtanlagen wurde jĂ€h unterbrochen durch eine 1914/15 erlassene bergbehördliche Anordnung, die jeglichen Abbau in den bereits vor den Ersten Weltkrieg erweiterten Schutzbezirken untersagte. Das Baufeld der Schachtanlage Westende wurde damit so stark eingeschrĂ€nkt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb unmöglich wurde. Dieser fĂŒr die damaligen Besitzer schwerwiegenden Massnahme verdanken wir aber den Fortbestand der Anlage, wurde doch aus dem Verbot in den letzten Jahren ein zwingendes Gebot in Form des Abbauvertrages unter den Duisburg- Ruhrorter Hafenanlagen. Die Rettung kam mit dem 1. April 1926, als die Betriebsanlagen Westende mit den ĂŒbrigen Vermögensteilen der Aktien- Gesellschaft Phönix in das Eigentum der neu gegrĂŒndete, Vereinigte Stahlwerke AG, Gruppe Hamborn, eingebracht wurde.

Da die FettkohlenvorrĂ€te der Schachtanlage zum Großen Teil abgebaut waren, lag es nahe, sie mit dem nördlich angrenzenden Schacht Rönsbergshof des Feldes Friedrich Thyssen zu vereinigen. So erhielt der Kampschacht ein zusĂ€tzliches Baufeld von 1,6 Mill. mÂČ. DafĂŒr legte man die SchĂ€chte 1/2 im November 1927 wegen Erschöpfung des Kohlenvorrats still und kippte sie zu - 61 Jahre nach Aufnahme der Förderung. Alte Bergleute die ich noch kannte, erinnerten sich noch an die VorgĂ€ngerin der Schachtanlage Westende 1/2. Der erste Durchschlag mit Rönsbergshof erfolgte auf der 4. Sohle bereits 1926. Trotzdem musste die Förderung bis 1929 noch ĂŒbertĂ€gig zum Kampschacht gefahren werden. Ab 1930 diente Rönsbergshof nur noch als Wetterschacht fĂŒr die Zeche Westende. Er war von der Gewerkschaft Deutscher Kaiser in den Jahren 1908/1909 nach dem Senkschacht verfahren abgeteuft worden, bis 1915 bzw. 1925 als Wetterschacht den Schachtanlagen Friedrich Thyssen 3/7 und Schacht 4/8 dienend und schliesslich als selbstĂ€ndige Förderanlage in Betrieb.

Bis zum Jahre 1926 sind 2,8 Mill. t Kohle hier gefördert worden. Am 28. Juli 1964, Punkt 9:15 Uhr, fiel das 80 t schwere SchachtgerĂŒst mit dumpfem Krachen und gewaltiger Staubwolke. Damit endete die 56 jĂ€hrige Geschichte dieser Anlage. Der Zusammenschluss der Baufelder von Westende und Friedrich Thyssen liess die 1925 auf 500 000 t gefallene Förderung wieder stĂ€rker ansteigen. Die Höchstförderung konnte 1927 mit 1,13 Mill. t (beide Anlagen) erreicht werden. An andere Stelle mehr Information.

Die Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs 1930/1933 traf den Kampschacht schwer. ZĂ€hlte bis dahin die Belegschaft weit ĂŒber 2000 Mann, so sank allmĂ€hlich diese Zahl auf 940 herab. Dazu kamen durchschnittlich zwei Feierschichten in der Woche. Der Abbau der Kohle musste stark gedrosselt werden und beschrĂ€nkte sich schliesslich auf einige wenige gute Flöze. Die Förderung sank auf unter 500 000 t ab. Als die HĂŒtte Ruhrort / Meiderich stillgelegt wurde, schien auch das Schicksal der HĂŒttenzeche besiegelt. Doch es gelang schliesslich, die Tore offen zuhalten und das drohende Gespenst der Stilllegung zu bannen.

1934 Ă€nderte sich wieder einmal der Name des Besitzers. Der gesamte Bergwerksbesitz der Vereinigte Stahlwerke wurde in der Gelsenkirchener Bergwerks, AG zusammengefasst. Die Schachtanlage Westende gehörte nun zur Gruppe Hamborn. Unter und ĂŒber Tage ergaben sich grosse VerĂ€nderungen. Der Zechenplatz wurde vollkommen neu gestaltet, das FördergerĂŒst verstĂ€rkt, ebenso die Fördermaschine. Die östliche Fördermaschine wurde durch eine stĂ€rkere, frei gewordene von der Anlage Friedrich Thyssen 3/7 ersetzt.

Die westliche Fördermaschine wurde 1911 von der AEG aufgestellt. Umgebaut und vergrössert wurde auch das Verwaltungs- und WĂ€schegebĂ€ude. Neue Bauten entstanden. Durch Sondergenehmigung konnte in einzelnen Flözen der Abbau unter dem Rhein durchgefĂŒhrt werden.

Die Förderung stieg auf ĂŒber 800 000 t.

Westende 41

Die Kriegsjahre haben den Kampschacht nicht verschont. In so manchen NĂ€chten fielen Brandbomben und verursachten einige schnell gelöschte BrĂ€nde. Dann aber kam der 14. Oktober 1944, an dem die Schachtanlage so stark mitgenommen wurde, dass sie zum vorlĂ€ufigen Stillstand verurteilt war. Der Morgen brachte den Angriff, bei dem das Fördermaschinen GebĂ€ude von drei Sprengbomben getroffen wurden. Die beiden Fördermaschinisten blieben in ihrem Schutzstand unverletzt. Das GebĂ€ude hatte jedoch die Maschinen unter seinen TrĂŒmmern begraben, aus denen nur die verbogenen TrĂ€ger und Teile der Kranbahn emporragten

Der neue mĂ€chtige WĂ€schebau, der erst im Jahre 1942 fertig geworden war, wurde von einer Sprengbombe an der Nordwestecke von oben bis unten aufgerissen. Ausserdem ging eine Schaltstation in Flammen auf, ein Brand, der sich ĂŒber die elektrischen Kabel auf die ganze WĂ€sche auszudehnen drohte. Er konnte aber noch frĂŒhzeitig gelöscht werden. Die Sieberei war zu einer unentwirrbaren TrĂŒmmerstĂ€tte geworden, ĂŒber der die beiden Aufgabenbecherwerke der WĂ€sche herabhingen. Bei dem folgenden Nachtangriff fiel nochmals eine Sprengbombe in den Schutthaufen des Fördermaschinen GebĂ€udes, und den Holzplatz trafen so viele Brandbomben, dass er nicht mehr gelöscht werden konnte.

Westende WĂ€schedach

Bei den AufrĂ€umungsarbeiten zeigte sich, dass die Fördermaschinen und die Umformer unter ihrem Splitterschutz nur wenig gelitten hatten. Bereits im Februar 1945 konnte die Förderung wieder aufgenommen werden. Im MĂ€rz / April 1945 zwang das Artilleriefeuer der nĂ€her rĂŒckenden Front die Betriebsleitung, die Schachtförderung nur noch auf der Nachtschicht in Betrieb zu nehmen. Die Beschiessung richtete noch viele BeschĂ€digungen an, traf aber keine lebenswichtigen Teile der Anlage mehr.

Die Mitte April einrĂŒckenden amerikanischen Truppen hielte die Schachtanlage bis Mitte Oktober 1945 besetzt. Die Materialnot behinderte sehr stark den Wiederaufbau. Vieles war zu Bruch gegangen. Aber Bergleute kennen sich mit BrĂŒchen aus. Sie rĂ€umten auf, und so kam nach und nach wieder Leben in den Betrieb, bis im Monat Mai 1945 bei zehn Arbeitstagen eine durchschnittliche Tagesförderung von 150 t erreicht wurde. FĂŒr das Jahr 1945 ergab sich eine Gesamtförderung von 100 000 t, die in den folgenden Jahren auf rund 800 000 t gesteigert werden konnte. Noch einmal wechselte der Name des Besitzers der Schachtanlage. Am 1. Juli 1953 wurde im Zuge der Entflechtung die Gruppe Hamborn der GBAG in die beiden Gesellschaften Hamborner und Friedrich Thyssen Bergbau AG geteilt. Die BesitzverhĂ€ltnisse der Friedrich Thyssen Bergbau AG, zu der auch die Schachtanlage Westende gehörte, lagen zu je 50% bei der Hamborner Bergbau AG und den HĂŒttenwerken Phoenix AG.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg sich wieder einmal die KohlenvorrĂ€te der Schachtanlage Westende zu erschöpfen drohten, wurde der Fortbestand der Anlage durch einen 1951 abgeschlossenen Vertrag mit der Duisburg - Ruhrorter HĂ€fen AG und der Wasser- und Schifffahrt Direktion MĂŒnster gesichert, der die Absenkung des GelĂ€ndes des grĂ¶ĂŸten europĂ€ischen Binnenhafens durch Abbau von Kohle zum Gegenstand hatte.

Die im Vertrag festgelegten Richtlinien fĂŒr den Abbau machten es nötig, dass zunĂ€chst die Ausrichtung des gesamten Hafenfeldes bis an dessen sĂŒdliche Begrenzung vorgenommen werden musste, um dort als erstes den Abbau in den Schleusenpfeilern in Gang zu bringen. Von dort aus bewegte sich der Abbau nach Norden auf die Schachtanlage zu.

In den Jahren 1951-1955 wurde diese Ausrichtung durch QuerschlĂ€ge, Richtstrecken und BlindschĂ€chte im Bereich der 2. und 3. Sohle so weit fertig gestellt, das 1955 der Abbau in Flöz Sonnenschein auf-genommen werden konnte. 1957 folgte Flöz PrĂ€sident, 1958 Flöz Girondelle und 1962 Flöz Johann. Im Jahre 1965 wurde mit den Ausrichtungsarbeiten fĂŒr den Abbau in Flöz Finefrau begonnen.

Ein Nachruf am 20.07.1968 - von der Rheinische Post

Einstmals stolze Schachtanlage,
bald erinnert nur noch der Name „Port Arthur" daran

Noch fĂŒnf Tage, dann wird Schachtanlage „Westende" geschlossen. Das Leben in den Stollen erlöscht, sie werden verfĂŒllt und nicht viel Zeit wird darĂŒber hingehen, bis nur noch Heimatkundler und alte Veteranen wissen, dass hier einmal Kohle gefördert wurde. Aber auch hier gilt der Refrain aus einem Lied: „'s war immer so, 's war immer so!"

In einer alten vergilbten Zeitung steht ein Artikel ĂŒber Westende. Der Redakteur hat darĂŒber geschrieben: „Einstmals eine stolze Schachtanlage", und er meinte die SchĂ€chte I und II, die 1927 geschlossen wurden. Wie sich alles wiederholt: Auch damals löste so ein Schachtende Diskussionen ĂŒber Kohlenkrisen aus und mit den gleichen Worten auch tröstete man sich: „Schliessungen von Bergwerken sind fĂŒr den Bergmann eigentlich nicht neu, denn er weiss, dass mit der ersten geförderten Tonne Kohle aus einem neuen PĂŒtt auch dessen letzte Stunde schon feststeht. Sind die Felder aus gekohlt, muss der Schacht Schliessen, ist das Bergwerk gestorben. Ein Schicksal also, das jedem Schacht beschieden ist. Trotzdem ist jeder Bergmann schmerzlich berĂŒhrt, wenn sein Schacht auslĂ€uft."

Mit dem Namen „Westende" ist eine alte, wechselvolle Geschichte verbunden. Als Schacht I und II noch in Betrieb waren, gehörte sie zu den Ă€ltesten Duisburger Anlagen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie von einer englischen Gesellschaft errichtet. FĂŒnf Jahre wurde unter englischer Leitung gearbeitet, dann ging den EnglĂ€ndern „die Puste" aus und nach 1870 trat die „SociĂ©tĂ© Anonyme des Charbonnage du Rhin" an ihre Stelle. Die förderte auch bald die ersten Kohlen, drei Zentner fĂŒr zwölf Silbergroschen.

Wieder fĂŒnf Jahre weiter und ein deutsches Konsortium trat auf den Plan, dessen HauptaktionĂ€r das Bankhaus Erlanger in Frankfurt war. Meidericher Steinkohlenbergwerke nannte sich die Zeche. 400 Mann schafften tĂ€glich 700 Tonnen Kohle.

Das war 1881. 3,60 Mark betrug der Lohn je Mann und Schicht. 1889 teufte man Schacht II ab. Die BegrĂŒndung erinnert wieder an heutige Bestrebungen der Wirtschaftslenkung, denn es hiess „Zur Hebung des Meidericher Erwerbs- und Verkehrslebens wurde mit dem Abteufen begonnen." (Zum zweiten mal: 's war immer so.")

1892 griff „Phönix" zu, ĂŒbernahm den PĂŒtt und schuf sich eine eigene Kohlenbasis. Phönix gelang es auch, den ersten Meidericher Schacht der Zeche „Ruhr und Rhein", der 1889 abgesoffen war, wieder frei zu pumpen. Der erhielt dann die Nummer III, diente jedoch nur als Luftschacht. Erst um das Jahr 1905 erinnerte man sich an weitere starke Kohlenflöze und damit schlug auch die Geburtsstunde fĂŒr den Schacht IV und das ist „Westende", die Schachtanlage, die am 31. Juli 1968 „den Deckel zumacht". Ihr Ende sollte eigentlich schon bedeutend frĂŒher sein, aber „im hohen Alter noch" erwuchs ihr die tolle Aufgabe, die HĂ€fen abzusenken.

Das ist aber Geschichte und nicht allgemein bekannt

Die Schliessung erfolgt aber unter ganz anderen Bedingungen, als die von den SchĂ€chten I und II. 1927 hiess es in einem Zeitungsartikel: „Nur ein Teil der Arbeiter und Angestellten fand sogleich einen neuen Arbeitsplatz. Die ĂŒbrigen mussten stempeln, bis es ihnen gelang, neue Arbeit zu finden, denn die Wirtschaftskrise befiel unsere Stadt mit besonderer Heftigkeit." Heute findet die gesamte Belegschaft der letzten Westende - Anlage vollgĂŒltige Arbeit in Lohberg und auf Friedrich Thyssen 2/5 und das Duisburger Arbeitsamt urteilte, dass die Schliessung keine Auswirkungen auf den örtlichen Arbeitsmarkt haben wird. (Jetzt muss man also sagen: „'s war nicht immer so!")

Wie das GelĂ€nde der alten SchĂ€chte I und II lĂ€ngst anderer Nutzung zugefĂŒhrt wurde (dort steht jetzt der Schlacht- und Viehhof und nur der Name „Die Westender Strasse" erinnert noch daran), so wird auch unser Westende anderen Werken dienen. Vielleicht heisst es eines schönen Tages: Und nur der Name „Port Arthur" (der Spitzname von Westende) erinnert noch an eine einstmals stolze Schachtanlage.

02.08.1968

Westende fördert letzte Kohle ohne Trauerstimmung
Rentner erhalten schon jetzt Anpassungshilfe.
Bei Donner, Blitz und Gewitterregen schlug gestern die letzte Stunde fĂŒr „Schachtanlage Westende". Die Stilllegung barg keine sensationellen HintergrĂŒnde, sie hat nichts mit der Kohlenkrise zu tun. 70 Prozent der Belegschaft finden auf Lohberg und 2/5 gleichwertige Arbeit, 15 Prozent scheiden aus AltersgrĂŒnden aus und 15 Prozent kehren freiwillig ab. Die Belegschaft, einst 2000, betrug zuletzt noch 320 Mann. Die Rentenberechtigten der Schachtanlage gehen nicht leer aus. Gestern fasste der Vorstand der Hamborner- und Friedrich-Thyssen-Bergbau AG den Beschluss, ihnen im Vorgriff die Anpassungsbeihilfe der EuropĂ€ischen Gemeinschaft fĂŒr Kohle und Stahl und der Bundesregierung schon jetzt zu zahlen. In den Genuss der je einige tausend Mark betragenden Beihilfe kommen etwa 60 Mann.

Rund 50 Millionen Tonnen gute Nusskohle sind in der rund hundert Jahre alten Schachtanlage zutage gefördert worden. Diese stolze Zahl hatten die „Letzten von Westende" an den tannengrĂŒn umkrĂ€nzten Förderwagen geschrieben.

Und weil die kleine Feierstunde so gar nichts Tragisches in sich barg, schrieben sie noch dazu: „Die letzte Prise: Gesamtverbrauch an Schnupftabak 48 881 595 Kilogramm" und malten zwei schnupfende Kumpel dazu. Vorstandsmitglied Dr. Bartzel widmete der Schachtanlage einen ehrenvollen Nachruf. Sie hat ihre große Aufgabe als Energieversorger wacker erfĂŒllt und zum guten Ende noch eine Grosstat durch die Absenkung der Duisburg-Ruhrorter HĂ€fen geleistet.

Das Tröstliche in der Abschiedsstunde muss man darin sehen, dass die grosse Rationalisierung im Steinkohlenbergbau als ein Schritt nach vorwĂ€rts zu sehen ist. In dieser Hinsicht hat der Hamborner Bergbau, der seine Zechen von fĂŒnf auf zwei verminderte, ein gutes Beispiel gegeben. Jetzt steht er trotz Krise auf einer soliden Grundlage. Vorbildlich, das muss jeder Bergmann bestĂ€tigen, wurden alle Zechenschliessungen vom Hamborner Bergbau durchgefĂŒhrt. In jedem Fall erhielten die Belegschaften frĂŒhzeitig und offen von der Betriebsleitung Bescheid und stets wurden alle BeschĂ€ftigten in gleichrangigen Stellungen untergebracht.

Betriebsratsvorsitzender Mond wertet das als grossen Verdienst der Arbeitgeberseite, besonders von Arbeitsdirektor Dr. Terhorst: „Westende hat den Beweis erbracht, dass immer gute Ergebnisse zustande kommen, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Dinge gemeinsam besprechen. Auch aus diesem Grund kann man in positivem Sinn ĂŒber die Schliessung von Westende sprechen, und das möge beispielhaft fĂŒr das ganze Ruhrgebiet sein."

Bergwerksdirektor i. R., Dr. Hoffmann, von 1930 bis 1945 Betriebsdirektor von Westende, förderte in der Abschiedsstunde eine kleine „Tonne" Erinnerungen zutage: Als die Schachtanlage nach dem schweren Bombenangriff 1944 kaum wieder einsatzfĂ€hig war, lag sie mitten in der Kampflinie. Es durfte kein Feuer gemacht werden, weil der aufsteigende Rauch der amerikanischen Artillerie zu gutes Ziel bot, und das Leben spielte sich grösstenteils in den Luftschutzkellern ab. Die Übertage Belegschaft - eine besonders traurige Erinnerung - musste in den Tischlereien SĂ€rge herstellen und Stollen Stempel fĂŒr Luftschutzkeller verarbeiten. Aber trotz der Bombenangriffe kam auf dem GelĂ€nde von Westende kein Belegschaftsmitglied ums Leben.

Jetzt beginnt auf Westende die Raubarbeit, die voraussichtlich bis zum Jahresende abgeschlossen sein wird. Westende steht dann der August-Thyssen-HĂŒtte fĂŒr Betriebserweiterungen zur VerfĂŒgung.
 

Die planmĂ€ĂŸige Absenkung der Duisburger- Ruhrorter HĂ€fen - durch den Kohleabbau- wird auf den nĂ€chsten Seiten ausfĂŒhrlicher beschrieben.

Historische Bilder der Schachtanlage Westende

westende Kampschacht 4
Westende 27
Westende 26
Kantine
Westende 29
Westende 28
Joy-Lader Diesellok
Dieter
Lehrlinge 1
Westende 34

Aufnahmen von ehemaligen Bergleuten

Balzer Ju Balzer 2
Balzer 6
Balzer 7
Balzer 5
Balzer 4
Balzer 3
Balzer 15

Ausbildungssteiger Konrad Balzer hat ein Recorder gewonnen, beim Sicherheitsbewerb im Jahr 1965

Knappe 1956
Balzer 12 Westende 25
Balzer 13
Westende 24
Grubenwehr Schacht 2
Balzer 8
Abschluss

In der 2. Reihe von oben(verdeckt) das bin ich

HauerprĂŒfung
Westende 43 GerÀteraum
Westende GerÀteraum

Über den Torbogen war unser Grubenwehrraum, im linken Bild sieht man durch das Fenster, die kleinen Fenster der Steigerkaue, im Jahr 1933

Westende 23
Westende 20
Westende Förder
Westende 21
Westende 22
Wasserhaltung
Westende Laubach

Weil es dort so schön warm war... Heute ĂŒberall undenkbar!!! Ein Foto einer liebenswerten "Anekdote" des Ruhrbergbaus aus dem Jahr 1956. Dies ist schon lange in Vergessenheit geraten!
Elektrohauer Peter Laubach zĂŒchtet in einem Schaltraum ( E - Werkstatt) auf der 3. Sohle des Kampschachtes (250 Meter Untertage) seine Goldfische.

24 BergschĂŒler der Bergschule Hamborn machten am 24. Oktober 1963 mit ihrem Bergschullehrer Dr. Moebius eine Grubenfahrt auf der Schachtanlage Westende. Eine Gruppe befuhr das halbsteile Flöz Girondelle, wo sie den Stauscheibenförderer und den Reißhakenhobel im Einsatz sahen, aber auch die nur noch selten ĂŒbliche Gewinnung der Kohle von Hand beobachten konnten; die zweite Gruppe befuhr Flöz Johann, um sich ĂŒber die Wirkungsweise des Stufenhobels und den dort verwendeten Blasversatz zu unterrichten. Betriebsdirektor Bergrat a. D. Brand, BetriebsfĂŒhrer Wilbertz, Sicherheitsbeauftragter Fahrsteiger Lotric und Ausbildungsleiter Dipl.-Ing. Verweyen nahmen sich der GĂ€ste an.

Die Aufnahme zeigt die Hamborner BergschĂŒler mit der Betriebsleitung nach der Grubenfahrt.

Bergschule 3
Westende 30
Westende 31
Westende 33
Westende 32
Westende 54
Westende 35  3. Sohle
Wolfgang
westende 10
Berglehrlingsheim
Bergstraße

Gastwirtschaft Illbruck - Bergstraße - Kronprinzenstraße, hier mussten die Berglehrlinge vom Schacht aus, vorbei zum Berglehrlingsheim laufen.

Bahnhofstraße
Magazin
Bahnhof Rurhort

Der letzte BetriebsfĂŒhrer der Schachtanlage Westende, war Heinz Wilbertz

Wilberts

Als Offizierssohn in Essen- RĂŒttenscheid am 23.2.1912 geboren, zog die Familie 1914 nach Kohlscheid.
Dort, beim EBV Kohlscheid, verfuhr Heinz Wilbertz am 1.8.1930 seine 1. Schicht.
Nach dem Besuch der Bergschule Aachen begann 1938 bis 1954 seine Ingenieurs TĂ€tigkeit auf dem Bergwerk Carolus Magnus, die letzten neun Jahre als Fahrsteiger.
1954 kehrte Heinz Wilbertz als Obersteiger auf dem Bergwerk Duisburg- Beeckerwerth ins Ruhrgebiet zurĂŒck. 1955 wurde er BetriebsfĂŒhrer auf dem Bergwerk Westende bis zu dessen Schliessung im Dezember 1968. Heinz Wilbertz war auf dem Bergwerk zustĂ€ndig fĂŒr die durch Kohlenabbau planmĂ€ssig herbeigefĂŒhrte Absenkung der Hafenanlagen, auch heute noch als herausragende bergmĂ€nnische Leistung unvergessen.
Bekannt wurde Heinz Wilbertz dann durch seine Mitwirkung bei der Entwicklung eines speziellen Streckenausbaues, dessen EinfĂŒhrung und Erprobung auf 21 Schachtanlagen ihn nach Großbritannien, Frankreich, Belgien und die Niederlande fĂŒhrten.
In den RDB trat Heinz Wilbertz am 1.6.1949 mit der Mitgliedsnummer 635 ein, wahrlich ein Mann der ersten Stunde. Er war GrĂŒndungsmitglied des BV Rechter Niederrhein am 6. August 1950 und hat als dessen Vorsitzender von 1966 bis 1968
mit grossem Sachverstand die Geschicke unseres BV wesentlich mitbestimmt.
Sein Nachfolger wurde Kurt Ingenabel und Heinz Wilbertz Ehrenmitglied unseres Bezirksvereins. Am 20. April 1986 verlieh ihm der BV Rechter Niederrhein fĂŒr seine Verdienste die Goldene Ehrennadel.
Uns fehlt mit ihm ein liebenswerter Mensch, der sich mit grossem persönlichem Einsatz fĂŒr die Belange des RDB engagiert und sich mit seiner geradlinigen, konsequenten DurchsetzungsfĂ€higkeit ĂŒber unseren BV hinaus Ansehen verschafft hat.
 

Heinz Wilbertz verstarb am 16. Januar 1999, kurz vor der Vollendung seines 87. Lebensjahres.

Chronik der Schachtanlage Westende

Jahr

  Westende 1

  Westende 2

  Schacht 3

 Ruhr u. Rhein

   Schacht 4

 Kampschacht

  Rönsberghof

1855

   6. 4. 1855 GrĂŒndung der Ruhrort Mining

              Compagnie

 

 

 

1856

Beginn des Abteufens

 

 24. 5. GrĂŒndung d. Gewerkschaft Ruhr u. Rhein

 

1857

 

 

17. 4. Beginn des        Abteufens

 

 

1858

 Steinkohlengebirge

   Erreicht: 102 m

 

 

 

 

1859

 Stilllegung d. Anlage

     bei 132 m

 

 

 

 

1864

 

 

 21. 3. Steinkohlengebirge erreicht: 82 m

 

 

1866

 

 

Ansetzen der

1. und 2. Sohle

 

 

1867

 

 

      5 864 t

 

 

1868

 

 

  Mai: Stilllegung der Anlage

30 167 t

 

 

1870

 31. 3. 1870: GrĂŒndung der Societe anonyme des Charbonnages du Rhin

 

 

1871

 1 144 t

 

34 261 t

 

 

1872

23 816 t

 

             53 637 t

 

 

1873

79 542 t

 

             41 979 t

 

 

1874

     6. 12. 1874: GrĂŒndung der Rheinischen Steinkohlengruben

 

 

1879

     154 865 t

 

95 282 t

 

 

1880

   20. 7. 1880 GrĂŒndung der Meidericher Steinkohlenbergwerke

 

 

1889

     201 891 t

  20. 6. Beginn des

    Abteufens

              67 072 t

 

 

1890

 

 

Stilllegung der Anlage

 

 

1892

 

Steinkohlengebirge

  Erreicht: 103 m

 

 

 

1896

                 309 644 t

    5. 11. 1896: Verkauf der Bergwerke Westende und Ruhr und Rhein an die Phönix  A.G.

                           fĂŒr Bergbau und HĂŒttenbetrieb

 

1906

                 700 708 t

 

 Beginn des Abteufens

 

1908

 

 

  Steinkohlengebirge

    Erreicht: 104 m

  1. 5. Beginn des

     Abteufens

1909

                

                 796 923 t

 

 

Aufn. d. Förderung 1500 t

 Ansetzen 1.-3. Sohle

   6. 7. Steinkohlegebirge

     erreicht: 152 m

1910

 

Wiederinbetriebnahme

   als Wetterschacht

 

 

1912

                           Höchste Förderung: 903 430 t

 

 

1915

 

 

 

 

Aufnahme der Förderung

1921

 

 

 

 Ansetzen der 4. Sohle

 

1926

               1. 4. 1926: Übergang der Schachtanlagen an die Vereinigte Stahlwerke A. G.

1927

     1. 12. 1927: Stilllegung der Anlagen

   Vereinigung d. Schachtanlagen Kampschacht u. Rönsberghof: 1 129 650 t

1928

 

 

 

      740 000 t

  Wetterschacht fĂŒr

     Westende

1932

 

 

 

  Abteufen bis 5. Sohle

 

1934

 

 

      Neuordnung: Gelsenkirchener Bergwerke A.G. Gruppe Hamborn

1935

 

 

 

  Ansetzen der 6. Sohle

 

1949/50

 

 

  Ansetzen d. 5. Sohle

 

 

1951

 

 

     Vertrag ĂŒber die planmĂ€ĂŸige Absenkung der Duisburger HĂ€fen

                12 Mill. t. anstehender Kohlenvorrat

1951/55

 

 

      Aus- und Vorrichtung des Hafenfeldes

 

1953

 

 

      1. 7. 1953: Entflechtung der Gelsenkirchener Bergwerke A.G.

                    Friedrich Thyssen Bergbau A.G.

1964

                                                                                                                 VerfĂŒllung                

1968

                                                                                            

 

 

Stilllegung 1. 12. 1968

 

1969

 

 

 

VerfĂŒllung

VerfĂŒllung

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