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DIETER SCHULZE - ELVERT

Meine Lossprechungsfeier im Duisburger Stadttheater

Am Sonntag, dem 31. M├Ąrz 1957 wurden wir im Duisburger Stadttheater 535 Jungknappen der Hamborner und der Friedrich Thyssen Bergbau-AG, 52 Junghandwerker und 6 Jungkaufleute in feierlicher Form von den Pflichten des Lehrvertrages ,,losgesprochen. Ausser uns selbst, denen die Feierstunde galt, waren leitende Mitarbeiter unserer Aufsichtsr├Ąte, Betriebe, Verwaltungsabteilungen, Betriebsvertretungen und Bergberufsschulen, Abordnungen der Meisterhauer und der Elternschaft sowie zahlreiche G├Ąste - Vertreter der Bergbeh├Ârde, der Stadt- und Kreisverwaltungen, der Westf├Ąlischen Berggewerkschaftskasse, der Industriegewerkschaft Bergbau, der Arbeits├Ąmter, der ├Âffentlichen Schulen und der Presse  - Teilnehmer der Lossprechungsfeier.

Daf├╝r, dass dieser Ruf einen kr├Ąftigen Widerhall fand, sorgte z. B. auch der Fanfarenzug des Pestalozzidorfs Beeckerwerth auf der Freitreppe des Duisburger Stadttheaters.

Losssprechung
Dieter
Hauer3

Die Feierstunde wurde musikalisch umrahmt von der Bergkapelle unter Kapellmeister Nikolaus Rathmann (Triumphmarsch aus der Oper ,,Aida“ und Ouvert├╝re zur Oper ,,Die Entf├╝hrung aus dem Serail“) sowie von der Knappenkapelle des Pestalozzidorfs Lohberg unter der Leitung von Erich Oemicke (Begleitung des Bergmannsliedes und Schlussmarsch).

Bergwerksdirektor Terhorst f├╝hrte im Rahmen seiner Begr├╝ssung und Festansprache unter anderem folgendes aus: Die weitaus gr├Âsste Gruppe unserer Pr├╝flinge sind die jungen Knappen. Das ist auch selbstverst├Ąndlich bei zwei grossen Berg-werksgesellschaften. Ich m├Âchte deshalb ein besonderes Wort an euch richten, liebe junge Knappen. Auch eure Lehrzeit, festgelegt durch den dreij├Ąhrigen Berglehrvertrag, ist zu Ende gegangen; trotzdem aber besteht doch ein erheblicher Unterschied zwischen einer handwerklichen Gesellenpr├╝fung oder einer kaufm├Ąnnischen Gehilfenpr├╝fung auf der einen Seite und einer bergm├Ąnnischen Knappenpr├╝fung auf der anderen Seite.

Ein Schlossergeselle n├Ąmlich oder ein Elektrikergeselle oder ein Kaufmannsgehilfe ist, Ausbildungsm├Ąssig gesprochen, ein Mensch mit abgeschlossener Berufsausbildung. Er kann sein Leben lang Schlossergeselle, Elektrikergeselle oder Kaufmannsgehilfe bleiben, ohne deshalb beruflich, unfertig zu sein. Ein Knappe dagegen ist eigentlich erst auf dem Wege zum Abschluss seiner Berufsausbildung. Dieser Abschluss winkt ihm mit der Hauerpr├╝fung.

Der Hauer erst ist der fertige bergm├Ąnnische Facharbeiter. Ihr k├Ânnt eure Hauerpr├╝fung fr├╝hestens mit dem 20. Lebensjahre ablegen und habt im Mindestfalle noch zwei Jahre Bergmannsarbeit bis zu diesem Termin vor euch liegen. Aus welchem Grunde muss die Berufsausbildung im Bergbau solange dauern? Man kann hierf├╝r wohl zwei massgebliche Gr├╝nde nennen, die beide f├╝r die Bergmannsarbeit kennzeichnend sind: die Erfahrung und die Verantwortung.

Es gen├╝gt beim Arbeitseinsatz unter Tage eben nicht, gewisse Handfertigkeiten und die Bedienung von Werkzeug und Maschinen zu beherrschen. Man muss sich dar├╝ber im Klaren sein, dass der Einsatz von Werkzeug und Maschine und die Anwendung der erlernten Handfertigkeiten recht unterschiedlich sind je nach den Gebirgsverh├Ąltnissen, mit denen sich der Bergmann auseinander zusetzen hat.

Das Gebirge zu erkennen und zu beherrschen, kann man aber nicht handwerklich erlernen. Man muss es selbst erleben durch die Erfahrung. Das erfordert Zeit. Darum muss eine Erfahrungszeit liegen zwischen der Knappenpr├╝fung und der Hauerpr├╝fung

Ausserdem steht der Bergmann unter Tage nicht allein da. Von seiner Arbeitsweise und von seinem richtigen Verhalten h├Ąngt zumeist nicht nur sein eigenes Wohl, sondern auch das seiner Kameraden ab, mit denen er zusammenarbeitet. Wenn eine Gruppe an irgendeiner Stelle unter Tage zusammenarbeitet: einer wenigstens muss der Facharbeiter und Fachmann sein, der mit jeder Lage fertig wird und auch f├╝r die Sicherheit der Mitarbeiter ein gewisses Mass an Verantwortung mit ├╝bernehmen kann. Hierzu geh├Ârt neben handwerklichem K├Ânnen und bergm├Ąnnischen Erfahrungen auch menschliche Reife und Haltung, wie man sie eben erst im Laufe einiger Berufsjahre erwerben kann.

Nach dem Wortlaut der bergpolizeilichen Verordnungen ist ein Hauer ein Bergmann, der in der Lage ist, selbst├Ąndig alle bergm├Ąnnischen Arbeiten im Grubenbetriebe auszuf├╝hren. Was nicht im Wortlaut, wohl aber im Sinne dieser Bergpolizeiverordnungen liegt, ist ausserdem: der Hauer soll ein ganzer Kerl, ein guter Kamerad und ein pflichtbewusster Bergmann sein, der treu zu seiner Arbeit steht, und auf den man sich verlassen kann.

Ob aus euch nach einigen Jahren solche Hauer werdet? Das ist die Frage, die mich gerade in der heutigen Feierstunde am lebhaftesten bewegt. Ich will jetzt keine Antwort von euch auf diese Frage haben. Die Antwort werden die n├Ąchsten Jahre bis zur Hauerpr├╝fung, selbst geben. Diese Jahre bedeuten f├╝r euch eine Probe. Einmal eine Probe hinsichtlich der Leistung. Man muss etwas leisten, um im Leben etwas zuwege zu bringen. Das gilt f├╝r unsere Arbeitsgemeinschaft als Gesellschaft in genau dem gleichen Masse wie f├╝r jeden Bergmann als Einzelmitglied dieser Arbeitsgemeinschaft. Die kommenden Jahre werden ferner eine Probe bedeuten im Hinblick auf eure Haltung.

Hierunter verstehe ich einmal das Ansehen, das ihr dem Bergmannsberuf verleiht durch die Art und Weise, wie ihr euch in der ├ľffentlichkeit und im Familienkreise auff├╝hrt. Hierunter verstehe ich aber auch eine Probe auf Kameradschaftlichkeit, also auf das Verhalten dem Mitarbeiter gegen├╝ber, und eine Probe auf Treue, also das Verhalten eurem Werk gegen├╝ber.

Wir wollen euch den Entschluss, bei uns zu bleiben, auch nach der materiellen Seite etwas erleichtern. Dies soll dadurch geschehen, dass die jungen Knappen eine Urkunde erhalten, durch die ihnen die Zahlung einer Pr├Ąmie in H├Âhe von 1000, - DM lohnsteuerfrei versprechen wird, wenn sie ein Jahr nach ihrer Hauerpr├╝fung noch in unseren Diensten stehen und bis dahin ihre Schichten regelm├Ąssig verfahren haben. Dieser Betrag soll z. B. dem jungen Bergmann die Gr├╝ndung einer Familie, eines Hausstands erleichtern. Es ist mein Wunsch und meine Hoffnung, dass ihr alle in den Besitz der Pr├Ąmie kommen m├Âget, d. h., das ihr alle Gute Hauer werdet und in unsere grosse Arbeitsgemeinschaft hineinwachst.

Wenn das Schwergewicht dieser Arbeitsgemeinschaft naturgem├Ąss auch aus Bergleuten besteht, so kann sie doch nur leben und gedeihen, wenn ihr auch t├╝chtige Handwerker und Kaufleute als zuverl├Ąssige Mitarbeiter angeh├Âren. Wir haben uns deshalb in unserem Ausbildungswesen immer auch um die Junghandwerker und die Jungkaufleute bem├╝ht, und ich m├Âchte meine Grussworte an die Festgemeinschaft nicht abschliessen, ohne den Handwerker und den Kaufmann als gleichberechtigtes und gleichwertiges Glied unserer Arbeitsgemeinschaft genannt zu haben. Unter den Handwerkern werden insbesondere die Grubenschlosser und Grubenelektriker, je st├Ąrker wir unsere Grubenbetriebe mechanisieren, in den Vordergrund treten. Von ihrem Wissen und ihrer Fertigkeit, wird es mit abh├Ąngen, ob die grossen Geldmittel, die wir bei der Mechanisierung und Elektrifizierung unserer Grubenbetriebe investieren, Frucht bringen werden.

Liebe junge Kameraden, es ist der symbolhafte Sinn dieser Feierstunde, dass Ihr nach Erf├╝llung des Lehrvertrages, von den Pflichten, deren Erf├╝llung euch oblag, losgesprochen werdet. Euch bindet jetzt nicht mehr der Vertrag an eure Lehrfirma. M├Âge an die Stelle dieser vertraglichen Bindung die geistige Bindung des Zusammengeh├Ârigkeitsgef├╝hls und der Werkstreue treten.

Liebe junge Kameraden, es ist der symbolhafte Sinn dieser Feierstunde, dass Ihr nach Erf├╝llung des Lehrvertrages, von den Pflichten, deren Erf├╝llung euch oblag, losgesprochen werdet. Euch bindet jetzt nicht mehr der Vertrag an eure Lehrfirma. M├Âge an die Stelle dieser vertraglichen Bindung die geistige Bindung des Zusammengeh├Ârigkeitsgef├╝hls und der Werkstreue treten. Dies sei mein Wunsch, mit dem zugleich ich euch allen ein kr├Ąftiges:

Gl├╝ckauf! f├╝r die Zukunft zurufe!

Pfeil

verdeckt bin ich

westende Abschluss Knappenpr.
Hauerpr├╝fung
Knappe 2
Hauer 0

Auf der Schachtanlage Westende legten am 4. M├Ąrz 1960 - 35 Haueranw├Ąrter die Hauerpr├╝fung ab; es waren 20 ehemalige Knappen, darunter 2 Bergvorsch├╝ler, 2 ehemalige Bergjungleute und 11 Neubergleute. Zugegen waren Bergrat Dr. Toenges als Vertreter des Bergamtes Duisburg, Obersteiger Rehbein und Dipl.-Ing. Stolpe, als Gast Abteilungssteiger Balzer.

Es pr├╝fte Ausbildungsleiter Dipl.-Ing. Verweyen.

Alle Lehrgangsteilnehmer bestanden die Pr├╝fung.

Ihre Namen sind:

Udo Albert, Wilfried Bader, Rudolf Blei, Helmut Bollermann, Hubert Bollermann, Heinz Dommershausen, Horst Hoffmann, Hans H├╝ttel, Dieter Jansen, Kurt J├╝ngling, G├╝nter Karkossa, Anton K├Ânig, Paul Kr├╝ger, Werner Laschat, Manfred Lauterbach, Walter Moschner, Konrad Mrozek, Benno M├╝ller, Karl Perl, Alois Prison, Wolfgang Rothe, Josef Segna, Wilhelm Schelbach, Hans-Dieter Schleuter, Josef Schmid, Manfred Schmitz, Helmut Schulz, Dieter Schulze-Elvert, Bruno Steenken, Hans Tiedgens, Karlheinz Tuma, G├╝nter Wolters, Heinz Zittlau, Hermann Zodet und Franz Z├Âschg.

Im Anschluss an die Pr├╝fung begl├╝ckw├╝nschte Obersteiger Rehbein die Junghauer namens der Betriebsleitung und ├╝berreichte ihnen die Hauerbriefe.

Am selben Tag trafen sich um 19:00 Uhr alle Junghauer mit Ihren Frauen, in der Gastwirtschaft – zur Funkenh├╝tte - in Laar. Im laufe des Abends, h├Ąndigte uns Herrn Dipl.- Ing. Stolpe das 1000 DM Zahlungsversprechen aus. Weitere Gl├╝ckw├╝nsche ├╝bermittelten Bergrat Dr. Toenges und Betriebsratsvorsitzender M├╝nch.

Ich war mit 20 Jahren der J├╝ngste Hauer zur der Zeit

Lampe

Licht in Bergesnacht

Ein Licht, das brennt in Bergesnacht:

Gl├╝ckauf! Wir fahren in den Schacht

Und suchen, wo die Teufe droht,

Nach Bergmannsart ein ehrlich' Brot.

Gl├╝ckauf! Das Licht gibt hellen Schein

Und will uns Freund und Helfer sein;

Es leuchtet uns zur Grubenfahrt:

Gl├╝ckauf! So sind wir wohl bewahrt.

Gl├╝ckauf! Das Licht brennt klar und hell,

Ist wie des Lebens laut'rer Quell,

Es scheucht das Dunkel hier und dort

Und bringt uns sicher hin vor Ort.

Gl├╝ckauf Ihr Knappen all im Schacht,

Wahrt euer Licht und habt fein Acht;

Denn wo ein Herz im Berge schl├Ągt,

Das Licht den Sieg des Lebens tr├Ągt.

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