Grubenfeld Westende im Jahre 1965

Nennenswerte UnglĂŒcke

11. September 1912 Schlagwetterexplosion mit 5 Todesopfern

21. Juli 1917 Schlagwetterexplosion auf der Schachtanlage 1/2 mit 5 Todesopfern

 6. September 1917 Gebirgsschlag auf der Schachtanlage 1/2 mit 4 Todesopfern

 7. Januar 1921 Gebirgsschlag auf der Schachtanlage 1/2 mit 3 Todesopfern

27. Januar 1921 Gebirgsschlag auf der Schachtanlage 1/2 mit 6 Todesopfern

Jahreshöchstförderung:

1.129.650 Tonnen im Jahre 1927 mit 2.337 BeschÀftigten

Nachdem man 18 m mĂ€chtige Kiesschichten durchstossen hatte und noch 4 m in grauen Mergel eingedrungen war, ging man an den Einbau der ersten gusseisernen TĂŒbbingsĂ€ule von 5,5 m lichter Weite, die man mittels maschinellen Sack Bohrbetriebes niederbrachte. Als feste Letten und Mergel das weitere Absenken erschwerten, wurde von Hand weiter abgeteuft und die TĂŒbbings untergebaut.

Fliesssande in 40 m Teufe erforderten den Einbau einer weiteren TĂŒbbingsĂ€ule von 5 m lichter Weite. Bevor im Mai 1892 bei 103 m das Steinkohlengebirge erreicht wurde, musste noch einmal von Hand durch feste Letten - und Mergelschichten geteuft werden. Das weitere Abteufen ging jetzt gut vonstatten.

Von der 2. Sohle aus hatte man bereits begonnen, den Schacht im Gegenort Betrieb hoch zu brechen. Die Bewetterung erfolgte durch ein Bohrloch, durch das auch das Wasser abfloss. 1894 fand der Durchschlag mit dem von Schacht 1 aus aufgefahrenem Umtrieb der 3. Sohle statt, mit dem neuen Wetterschacht.

Die wettertechnischen Verbesserungen waren nicht zuletzt Ursache fĂŒr die starke Fördersteigerung der folgenden Jahre. Die Schachtanlage Westende 1/2 erreichte bereits im Jahre 1896 eine Jahresförderung von 300 000 t. Das Abteufen des Schachtes Westende II, die Erneuerung der Tagesanlagen und hohe Prozesskosten, die durch die Anfechtung einer fingierten Grundschuld von 9,2 Mill. Mark aus dem Jahre 1878 entstanden, verschlangen lange Jahre riesige Summen. Trotz stetiger Steigerung der Förderung konnten von 1884 an keine ErtrĂ€ge mehr zur Verteilung kommen. Aber auch in den vorhergehenden Jahren war kein nennenswerter Gewinn erwirtschaftet worden.

Ihres Aktienbesitzes ĂŒberdrĂŒssig geworden, beschlossen die AktionĂ€re den Verkauf des gesamten Gesellschaftseigentums RĂŒckwirkend zum 1. April erwarb die Phönix Aktiengesellschaft fĂŒr Bergbau und HĂŒttenbetrieb im November 1896 die Schachtanlage fĂŒr einen Kaufpreis von 5,8 Mill. Mark.

                        Zeche Westende

Duisburg - Meiderich / Laar

SchÀchte

Schacht 1 (in Duisburg - Meiderich) 1855 Teufbeginn, 1858 erreicht dieser Schacht bei 102 m Teufe das Karbon, 1859 Einstellung aller Arbeiten und Absaufen des Schachtes, 1864 vergeblicher Versuch der FortfĂŒhrung der Arbeiten, 1870 wird der Schacht gesĂŒmpft, 1871 in Betrieb, 1928 verfĂŒllt.

Schacht 2 (neben Schacht 1) 1889 Teufbeginn, 1894 in Betrieb, 1928 verfĂŒllt.

Schacht 3 Ruhr & Rhein (3 km sĂŒdwestlich der Schachtanlage 1/2) 1907 wird Ruhr & Rhein ĂŒbernommen, SĂŒmpfen und Umbenennung in Schacht 3, nach 1968 verfĂŒllt.

Schacht 4 (Kampschacht) in Duisburg - Laar, 3,2 km westlich der Schachtanlage 1/2) 1906 Teufbeginn, 1908 erreicht dieser Schacht bei 107 m Teufe das Karbon, 1909 in Betrieb, nach 1968 verfĂŒllt.

Die Kohleförderung blieb im Altduisburger Gebiet von untergeordneter Bedeutung. Erste vergebliche SchĂŒrfversuche gab es bereits 1561/62 und noch einmal im 18. Jahrhundert.

Das Graben nach dem Schwarzen Gold war in Duisburg  nichts fĂŒrs leichtsinnige Abenteurer – die Kohle lag  nicht nur tief im Boden, sondern Sandschichten machten  es fast unmöglich, so nah am Rhein an den begehrten Rohstoff zu kommen.

Wahrscheinlich ist es nicht ĂŒberall bekannt, dass Westende I die Ă€lteste Schachtanlage von 1855 des Hamborner Bergbaus (ein Schacht in Betrieb) war. Die Schachtanlage war an der Stadtgrenze von Meiderich nach Oberhausen gelegen. Ein Feldestausch mit der Markscheide der Zeche Concordia findet 1875 statt. 1880 geht die Zeche in die neu gegrĂŒndete Meidericher Steinkohlenbergwerke auf, nachdem sich die aus Frankreich stammende Gesellschaft aufgelöst hatte. Das Feld Concordia 3 wird 1886 der Zeche Concordia abgekauft. Mit der angrenzenden Zeche Alstaden wird ein Abbauvertrag fĂŒr den Verhieb der an der Markscheide und im Feld von Westende anstehender Flöze abgeschlossen

Auch lehrt ein solcher RĂŒckblick, mit welchen Schwierigkeiten der Bergbau seit jeher zu rechnen hatte. Immer aber hat es tĂŒchtige Bergleute gegeben, die mit diesen Schwierigkeiten fertig wurden und die Fahne des Bergbaus in die Zukunft trugen.  Etwa zur gleichen Zeit, in der die Gewerkschaft Ruhr und Rhein ihre TĂ€tigkeit aufnahm, wurde die Ruhrort Mining Compagnie gegrĂŒndet. Die Mutungsbohrungen, die zur Errichtung einer Bergwerksanlage erforderlich waren, hatten in den Jahren 1850/52 der Oberhausener Bahnhofswirt Gerhard Stockmann, dessen Bruder, der Kaufmann Wilhelm Stockmann aus Ruhrort, die GebrĂŒder Julius, Alois und Karl Brockhoff, Kaufleute aus Duisburg, der Techniker Karl Beindorf aus Sterkrade, der Justizrat Reinhard und der Appellationsreferendar Ernst Mittweg aus Essen niedergebracht.

Die genannten Personen, die zum Teil auch mit der Mutung der Felder Deutscher Kaiser und Ruhr und Rhein massgebend beteiligt waren, mĂŒssen als die GrĂŒnder der Zeche Westende angesehen werden. Damals glaubte man, dass das Kohlenfeld von Dortmund her nur bis Oberhausen reiche. Als man dann in Meiderich doch fĂŒndig wurde, sah man hier die Grenze des Kohlevorkommens im Westen und nannte sinngemĂ€ss das gemutet - Feld Westende I. Da es den Mutern am nötigen Geld fĂŒr das Abteufen eines Schachtes fehlte, verkauften sie die Mutungsrechte fĂŒr 105 000 Taler an EnglĂ€nder. Die neuen Besitzer grĂŒndeten 1855 die Ruhrort Mining Compagnie.

Als Ansatzpunkt fĂŒr den Schacht Westende I. hatte man dem Landwirt Bollert, gen. Großeiken, ein GelĂ€nde, auf dem heute der Meidericher Viehhof steht, abgekauft. In der Mitte des Jahres 1855 begann die Gesellschaft mit dem Abteufen. Die Arbeiten wurden an einen englischen Unternehmer vergeben, der auch zunĂ€chst ausschliesslich EnglĂ€nder beschĂ€ftigt. Bis Anfang des Jahres 1856 hatte man einen runden Schacht von 6,30 m Durchmesser mit Abtreibezimmerung rd. 15 m durch Rheinkiese und zuletzt Fliessschichten niedergebracht. Da sich ein sehr starkes Treiben des im vorgesĂŒmpfe anstehenden Fliesses bemerkbar machte, wurden die Abteufarbeiten fĂŒr die Vorbereitung zum Absenken einer gusseisernen TĂŒbbingsĂ€ule gestundet.

Mit dem TĂŒbbingsenkschacht erreichte man 21 m Teufe. Nach der Aufstellung stĂ€rkerer Pumpen versuchte man Anfang 1857 zunĂ€chst von Hand abzuteufen.

Es gelang, den Schacht 1,90 m durch den Mergel weiter niederzubringen und die TĂŒbbingsĂ€ule gegen die WasserzuflĂŒsse aus dem oberen Fliess abzusperren. Dann erfolgte, um die unter dem Mergel anstehende Fließsandschicht zu ĂŒberwinden, das Absenken einer zweiten SĂ€ule durch Abbohren mit Sackbohrern. Diese Arbeit gelang, und man kam noch 0,8 m tief in den darunter anstehenden Mergel. UnglĂŒcklicherweise brach dabei ein TĂŒbbing, der durch Vorsetzen eines eisernen Ringes an der beschĂ€digten Stelle gesichert werden musste. Man beschloss jetzt, um den Schacht durch weiteres Absenken nicht noch mehr zu beschĂ€digen, in dem etwas festeren Ton wieder das Abteufen von Hand durchzufĂŒhren. Durch einen ersten Keilkranz konnten die WasserzuflĂŒsse völlig abgesperrt werden. Noch dreimal mussten jedoch KeilkrĂ€nze gelegt werden, um des Wassers Herr zu werden.

Selbst im Steinkohlengebirge, das man bei 102 m Teufe erreicht hatte, waren die WasserzuflĂŒsse ungewöhnlich stark. Als die Arbeiten schlecht vorangingen, wusste man sich nicht anders zu helfen, als erfahrene Leute und Beamte aus dem Aachener Revier zu holen. Darauf verliessen 5 Schachthauer den PĂŒtt, weil es gegen ihre Ehre ging. Als man Anfang des Jahres 1859 eine Teufe von 132 m erreicht hatte, wurden die Abteufarbeiten eingestellt. Die TagesgebĂ€ude waren inzwischen so weit fertig gestellt, dass man mit dem Aufstellen der Maschinen beginnen konnte. Hierzu kam es jedoch nicht mehr, da der gesamte Betrieb zum Erliegen kam.

Die Gesellschaft brach 1860 wegen finanzieller Schwierigkeiten zusammen. Obwohl alle Akten anscheinend vernichtet wurden ergibt sich aus einem Brief einzelner AktionĂ€re an die Bergbehörde, dass der Zusammenbruch durch ein unehrliches Spiel des englischen Verwalters Wood bewusst herbeigefĂŒhrt wurde, um die Bergwerksgesellschaft billig in seine HĂ€nde zu bringen.

Erst 1870 kam es zur GrĂŒndung einer neuen Bergwerksgesellschaft mit dem Namen, Anonyme Gesellschaft der Rheingruben. Sie hatte ihren Sitz in Paris und eine Zweigniederlassung in Ruhrort.

In dieser Gesellschaft waren die beiden stilliegenden Schachtanlagen, Ruhr und Rhein sowie Westende 1 zusammengefasst. WĂ€hrend der Kaufpreis fĂŒr Westende unbekannt ist, wurden fĂŒr Ruhr und Rhein rd. 287 000 Taler gezahlt. Auf der letztgenannten Anlage waren bis zu diesem Zeitpunkt etwa 10 000 t gefördert worden. Starke WasserzuflĂŒsse nebst unreinen und teilweise sehr gestörten Flözen hatten hier den Betrieb 1868 zum Erliegen kommen lassen. Bereits im Jahre 1873 konnte unter der neuen Leitung eine Förderung von ĂŒber 100 000 t erbracht werden. Leider wanderten die BetriebsĂŒberschĂŒsse der guten Jahre unter den französischen Geldgebern nach Frankreich, ohne dass daran gedacht wurde, fĂŒr die Entwicklung der Schachtanlage die nötigen RĂŒcklagen zu machen.Durch den KonjunkturrĂŒckgang der Wirtschaft herrschte 1873 starke Geld- und Materialknappheit, so dass die Gesellschaft in Konkurs ging. 1874 wurde das Eigentum der Gesellschaft an eine Aktien - Gesellschaft mit dem Namen Rheinische Steinkohlengruben

(, Socie’te’ anonyme des Charbonnages-rhe'nans“)

         Abbildung zeigt die Schachtanlage Westende 1/2 mit dem neuen Wetterschacht                                          

Ein weiteres einprĂ€gsames Zeugnis fĂŒr die AltehrwĂŒrdigkeit des Betriebes ist das Bild einer Waschkaue, und zwar handelte es sich hier um die Badewanne des BetriebsfĂŒhrers. 1870 wurde der Schacht Jacobine (fortan Schacht Ruhr und Rhein genannt) erfolgreich gesĂŒmpft, und 1871 in Betrieb genommen. Trotz des erneuten Konkurses der Betreibergesellschaft 1875 wurde die Förderung beibehalten.

1870 geht der Grubenbesitz in das Eigentum einer französischen Gesellschaft ĂŒber, die die Zeche wieder in Betrieb nimmt. Im Folgejahr wird die Zeche an die Eisenbahn angeschlossen. Die Gesellschaft meldet 1874 Konkurs an und wird durch eine andere aus Frankreich stammende Gesellschaft abgelöst.

Westende kommt in den Besitz der Phönix AG.

Das Grubenfeld ist einschliesslich des Feldes Ruhr & Rhein 17,2 kmÂČ gross. 1899 werden die Tagesanlagen grundlegend erneuert. Die Konsolidation der Felder Westende, Concordia III und Ruhr & Rhein zum Grubenfeld von Westende erfolgt 1907.

Die AufbewĂ€ltigung des Feldes Ruhr und Rhein auf der 150 m - Sohle und der 190 m - Sohle wird 1908 vollzogen. Die Kokerei wird 1912 umgebaut.

1914 untersagt die Bergbehörde in bestimmten Bereichen den Abbau unterhalb des Rheins, den HÀfen usw., was etwa 50% des Grubenfeldes von Westende entspricht.

Die Schachtanlage 1/2 wird in den Jahren 1919/20 nochmals erneuert. Nachfolgend wird 1921 die 1. Sohle bis unter den Mergel fĂŒr den Restkohlenabbau auf der Schachtanlage 1/2 aufgefahren.

Die Stilllegung der Schachtanlage 1/2 erfolgt im Jahr 1928.

Das Baufeld geht an die Standorte Schacht 3 und Schacht 4.

Die Übernahme der Zeche Rönsberghof mit einem 1,6 kmÂČ grossem Teilfeld erfolgt 1926. Auch die nebeneinander liegenden Kokereien Phoenix und Rheinstahl werden erworben.

Die Tagesanlagen auf der Schachtanlage 1/2 werden 1928 abgebrochen.

Im Schacht Rönsberghof wird die Förderung eingestellt. Die Kohlen werden unter Tage zum Schacht 4 transportiert und dort zu Tage gehoben.

Die Wiederaufnahme der Förderung im Schacht Rönsberghof erfolgt 1929, um ein Jahr spĂ€ter endgĂŒltig eingestellt zu werden.

Das Baufeld wird den SchÀchten 3 und 4 zugeordnet.

Der Abbau unterhalb des Rheins beginnt im Jahr 1935. Wegen der eintretenden Absenkungen ĂŒber Tage werden nachfolgend die Rheindeiche erhöht.

Das Grubenfeld der Zeche ist 1952 insgesamt 18,8 kmÂČ groß. Der Abbau unterhalb der Ruhrorter HĂ€fen bei planmĂ€ssiger, Absenkung der TagesoberflĂ€che einschliesslich der Schleusenanlagen begann im Jahr 1953.

Die Bergbehörde erhob wegen der gefahrvollen Situation Einspruch und machte die Genehmigung des Betriebsplanes vom Abteufen eines zweiten Schachtes abhĂ€ngig. FĂŒr den noch vorhandenen Kohlenvorrat lohnte sich dies aber nicht mehr, und so war das Schicksal der Zeche Ruhr und Rhein entschieden. Am 1. April 1890 wurde sie stillgelegt, das GrubengebĂ€ude geriet unter Wasser. Alle Kraft der Gesellschaft konzentrierte sich nun auf die Schachtanlage Westende. Wie auf Ruhr und Rhein bestand auch hier nur eine unregelmĂ€ssige WetterfĂŒhrung mit nur einem Schacht, der zugleich ein- und ausziehender Schacht war.

1886 stellte die Bergbehörde sĂ€mtliche Betriebe in dem von der Zeche Concordia kurz zuvor erworbenen Feld wegen ungenĂŒgender Wettermengen und abfallender WetterfĂŒhrung ein. Wollte man weiterarbeiten, musste zuvor ein Wetterschacht abgeteuft werden. Man begann 1889 mit dem Absenken eines Mauerringes von 6 m lichter Weite.

Abteufen nach dem Senkschachtverfahren

Die Gewerkschaft Ruhr und Rhein wurde am 24. Mai 1856 zwecks Kapitalbeschaffung gegrĂŒndet, da nach der geltenden Cleve-MĂ€rkischen Bergordnung ein Aufdecken des Fundpunktes von der Bergbehörde gefordert wurde.

Man schrieb das Jahr 1857, als nach GrĂŒndung der Gewerkschaft Ruhr und Rhein, begann man mit den Vorarbeiten und den Abteufarbeiten des Schachtes Jacobine, durch das 82 m mĂ€chtige Deckgebirge.

Wegen der an dieser Stelle mÀchtigen Schwimmsandschichten ergaben sich grosse Schwierigkeiten. Durch einen Wassereinbruch 1859 mussten die Abteufarbeiten zunÀchst eingestellt werden. Der Schacht soff ab, die Gesellschaft musste liquidieren.

Das damals bei der Durchörtern von Schwimmsanden ĂŒbliche Gefrierverfahren ist erst spĂ€ter entwickelt worden und so mussten im Verlauf der Abteufarbeiten grosse WasserzuflĂŒsse und SanddurchbrĂŒche bewĂ€ltigt werden, die wiederholt zu Unterbrechungen des Abteufens zwangen. Das beim Niederbringen des Schachtes angewandte Senkschachtverfahren ist mit vier verschiedenen Senkschuhen bei lichten Durchmessern zwischen 8,5 m und 3,8 m durchgefĂŒhrt worden.

Insgesamt vergingen zehn Jahre, bis im Jahre 1866 das erste FĂŒllort bei 153 m Teufe ausgesetzt und die Förderung aufgenommen werden konnte. Ruhr und Rhein war ein- und ausziehender Schacht zugleich.

Die WetterfĂŒhrung erfolgte bis 1882 durch Selbstzug ĂŒber ein gesondertes Wettertrum im Schacht, das an den Schornstein des Kesselhauses angeschlossen war.  

Der alte, gemauerte Schachtturm, dessen Bauweise im Ruhrgebiet als Malakowturm bekannt war, zeugte vom Alter der Anlage. Leider 1968, im Zuge der Stilllegung abgerissen.

Als so genannter 2. Ausgang wurde im Jahre 1884, auf der 2. Sohle mit dem Bau einer Verbindungsstrecke zur Zeche Ruhr und Rhein aufgefahren.

Diese steigerte den Abbau auf beiden Anlagen bis 1880 auf eine Jahresförderung von 250 000 t. Trotzdem hielten die finanziellen Schwierigkeiten an. In einer Zwangsversteigerung wurde 1880 die Gesellschaft von dem HauptglĂ€ubiger, dem Bankhaus Erlanger u. Söhne in Frankfurt - Main erworben und unter der Bezeichnung, „Meidericher Steinkohlenbergwerke AG“ neu gegrĂŒndet. Der Sitz der Verwaltung wurde von Paris nach Meiderich verlegt. Die französischen AktionĂ€re schieden bis auf zwei aus dem Aufsichtsrat aus.Auf der Zeche Westende entwickelte sich unter der neuen Besitzerin der Betrieb gĂŒnstig. Schlechter sah es auf der selbstĂ€ndig gefĂŒhrten Anlage Ruhr und Rhein aus. In Flöz BlĂŒcher hatte man so wasserreiche KlĂŒfte angefahren, dass der Betrieb teilweise eingestellt werden musste.

Die Bergbehörde bestand weiter nachdrĂŒcklich auf einer Verbindung mit Westende 1, da die Zeche nur einen einzigen Ausgang zur TagesoberflĂ€che besaß. Liessen die bergbehördliche Anordnung und die starken WasserzuflĂŒsse den Grubenbetrieb schon nicht besonders lohnend erscheinen, so kam als weitere Betriebserschwerung das 1884 angeordnete völlige Abbauverbot unter der Stadt Ruhrort und den alten Ruhrorter HĂ€fen - spĂ€ter auch unter dem Rhein - hinzu, das die Zeche empfindlich traf.

GrĂŒnderaktie, Auflage 12.000 (R 9). Teil der hochinteressanten und wechselvollen Geschichte der Schachtanlage Westende (1855-1926). UrsprĂŒnglich 1855 mit Sitz in Köln und englischem Kapital als „Ruhrort Mining Company“ gegrĂŒndet. Nach dem Konkurs 1860 ging die Zeche Westende an die „Kohlengesellschaft von Meiderich“. 1856 wurde die „Gewerkschaft Ruhr und Rhein“ gegrĂŒndet, deren Felder (1868 stillgelegt) mit Westende markscheideten. Die beiden Felder Ruhr und Rhein sowie Westende wurden 1870 von der „S.A. des Charbonnages du Rhin“ gekauft und wieder in Betrieb genommen, doch auch diese Gesellschaft brach schon 1874 wieder zusammen. Mehr GlĂŒck hatte ihre Nachfolgerin, die „AG der Rheinischen Steinkohlenbergwerke“: Förderung und Belegschaft stiegen kontinuierlich. 1890 wurde die Schachtanlage Ruhr und Rhein wegen starker WasserzuflĂŒsse und dem Verbot des Oberbergamtes, unter der Stadt Ruhrort, den alten Ruhrorter HĂ€fen und dem Rhein Abbau zu treiben, stillgelegt. Statt dessen wurde ab 1889 unter der Stadt Westende II abgeteuft. Die Bergwerke wurden am 5.11.1896 an die „Phoenix AG fĂŒr Bergbau und HĂŒttenbetrieb“ fĂŒr 5,8 Mio. Mark verkauft. 1926 gingen sie in der Vereinigte Stahlwerke AG auf. Zweisprachig deutsch/französisch. Mit Originalunterschriften. Mit anhĂ€ngendem Kuponbogen (nur 1 Kupon wurde abgetrennt).

Aktien
2. Sohle 1
Hauer2
Wetterschacht 1932
Kaue
Betriebsbeamte
schacht 24
Schacht 20 westende
Westende 45
Schacht 2 westende
Bahnhofstraße 1926

Die Lohnzahlung fĂŒr Bergleute

Die Lohnzahlung an die Bergarbeiter spielte sich noch vor 1963 wie folgt ab: Der Kumpel musste am Lohntag zunĂ€chst zum Steiger, der hinter seinem Schalter saß.

Der Steiger war nach der Schicht hĂ€ufig noch schwarz. Er war noch nicht unter der Dusche gewesen. Mancher Steiger lies die Kumpel warten. FĂŒr jedes Revier gab es einen Schalter. Die Kumpel nahmen am Steigerschalter die Abschlagskarte entgegen, auf der sie ablesen konnten, wie viel sie in den zehn Tagen verdient hatten. Mit der Abschlagskarte in der Hand zogen sie zum LohnbĂŒro Schalter, wo sie ihr Geld in bar in die Hand bekamen.

Diskretion wie am Sparkassenschalter war hier damals unbekannt, der LohnbĂŒroangestellte rief den jeweils auszube-zahlenden Betrag unĂŒberhörbar fĂŒr die hinter dem GeldempfĂ€nger in der Schlange stehenden Arbeitskollegen aus. Dreimal im Monat - 5. 15. und am 25. mussten die Bergleute um ihren Lohn anstehen, den Restlohn erhielten sie erst gegen Ende des nĂ€chsten Monats. „HĂ€ufig standen bei der FrĂŒhschicht die Frauen am Zechentor und warteten auf ihre MĂ€nner, die den Lohn fĂŒr zehn Tage in der Tasche hatten.“
Die VerfĂŒhrung, auf dem Heimweg eine Pause einzulegen, war Gross, meist lag die nĂ€chste Kneipe gleich gegenĂŒber dem Zechentor.

Die umstĂ€ndliche Prozedur der Lohnzahlung war fĂŒr den Kumpel mit Freizeitverlust verbunden. Die Arbeiter der FrĂŒhschicht mussten gesondert vor Arbeitsbeginn am LohnbĂŒro Schalter erscheinen. Noch Ärgerlicher war die Situation fĂŒr die MĂ€nner der Nachtschicht, die um 6 Uhr ausfuhren. Sie mussten bis 8 Uhr warten, denn erst um diese Zeit öffnete das LohnbĂŒro seine Schalter.

„Kann nichts mehr Platthauen“

Die bargeldlose Lohnzahlung verĂ€nderte in so mancher Bergarbeiterfamilie die finanzielle Lage. Die Frauen mit VerfĂŒgungs-berechtigung ĂŒber das Lohnkonto freuten sich: „Jetzt wissen wir endlich, was unsere MĂ€nner verdienen.“ Einige MĂ€nner waren weniger begeistert.

Ein Kumpel beklagte sich mal beim Betriebsrat, jetzt kann ich nichts mehr Platthauen, fĂŒr die Kneipe.
Aber in dieser Zeit, wo das Geld knapp war, teilte man sich auch das Geld zum Wirtschaften auch besser ein.

Die Lohnkarte

Kuxe Thyssen

Die Lohnkarte stammt noch aus der Zeit als 3x monatlich Bargeld ausgezahlt wurde. (Abschlag und Restlohn)
Als Sicherung gegen Missbrauch hatte jeder Bergmann eine Geheimzahl, welche er kurz vor der Auszahlung des Geldes auf der Uhr einstellen musste. Nach der Auszahlung wurde die Uhr dann wieder verstellt.

Die ausgezahlten BetrĂ€ge wurden von Hand eingetragen und gegen Unterschrift ausgezahlt, so hatte die Hausfrau immer Kontrolle ĂŒber den erhaltenen Lohn und man konnte kein „Schwarzgeld” machen.

Ganz Klevere besorgten sich eine Ersatzkarte, trugen die BetrĂ€ge selber ein und legten diese Karte der Frau vor. So wurde mancher Deckel in der Kneipe doch mit „Schwarzgeld” bezahlt.
 

Lohnkarte

GlĂŒck Auf!

Hammer
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